Bürgerforum: "Mein Bezirk wie er mir gefällt - Zukunft Marzahn-Hellersdorf" am 05.April 2019 an der Alice-Salomon-Hochschule

 

Ergebnisse des ersten Bürgerforums:

 

Der Schwerpunkt des ersten Bürgerforums lag darin, sich untereinander kennenzulernen und wichtige Themen für den Bezirk zu sammeln. Als Rahmen zur Veranstaltung wurden zunächst einige Ergebnisse der bisherigen Forschung zum Thema Engagement und Demokratie im Bezirk kurz vorgestellt. Anschließend wurde in Kleingruppen diskutiert; wobei sowohl positive Aspekte, auf denen man aufbauen kann als auch konkrete Bereiche, die es zu verbessern gilt, behandelt wurden. Abschließend wurde die Frage gestellt, wie sich jeder Einzelne im Bezirk engagieren kann und es gab die Möglichkeit, die Arbeit der anderen Gruppen zu besichtigen.

 

 

 

1.      Was gefällt mir gut in Marzahn-Hellersdorf?

 

An erster Stelle wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Grün, die Natur und Ruhe im Bezirk positiv hervorgehoben. An allen Tischen wurde die hohe Lebensqualität aufgrund des naturnahen Lebens im Bezirk betont.

 

An allen Tischen wurde ebenfalls die grundsätzlich gute Infrastruktur im Bezirk betont. Man sei gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, es gibt soziale Einrichtungen, eine gute ärztliche Versorgung und die wesentlichen Einkaufsmöglichkeiten. Exemplarisch stehen dafür folgende Aussagen: „Man findet alles, was man braucht“ und „es gibt eine verhältnismäßig gute Anbindung“.

 

Neben diesen beiden Themenbereichen, die eine breite Zustimmung erhielten, wurden an einzelnen Tischen unterschiedliche Aspekte betont. So wurde auf einzelne positive Institutionen und kulturelle Angebote im Bezirk (wie beispielsweise die Gärten der Welt oder das Helleum) hingewiesen. Auch die Vielfalt der Menschen im Bezirk und die größere Nähe zu den Nachbarinnen und Nachbarn im Vergleich zu innenstädtischen Bezirken wurden genannt. Mehrfach wurde ebenfalls betont, dass im Bezirk (noch) vergleichsweise günstige Mieten gezahlt werden.

 

 

 

2.      Was kann man meiner Meinung nach verbessern?

 

Bei den verbesserungswürdigen Aspekten wurden Themen besprochen, die bereits bei den positiven Elementen genannt wurden. Diese zunächst widersprüchlich erscheinende Tatsache verweist auf eine differenzierte Betrachtung des Bezirks durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So wurde die lokale Infrastruktur zwar durchaus positiv beurteilt, dennoch gibt es gleichzeitig auch Kritikpunkte. Häufig genannt wurde dabei das fehlende Freibad im Bezirk. Auch sollten weitere Sportplätze geschaffen, die Rad und Fußgängerwege im Bezirk weiter ausgebaut werden und die U5 eine 5-Minuten-Taktung erhalten.

 

Ähnlich verhält es sich beim Thema Mieten. Zwar zahlen die Altmieterinnen und Altmieter in der Regel noch vergleichsweise niedrige Mieten und es gibt viele Wohnungsgenossenschaften und städtische Immobilien. Gleichzeitig wirkt sich die angespannte Wohnungsmarktsituation in Berlin auch auf den Bezirk aus und die Mieten für Neumieter sind auch in Marzahn-Hellersdorf meist nicht mehr günstig.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen in den genannten Transformationsprozessen Gefahren für die bisherigen Vorteile des Bezirks. So gefährden die scheinbar planlosen Bauaktivitäten im Bezirk das Grün und letztlich auch die Infrastruktur (falls diese nicht dementsprechend angepasst wird) im Bezirk. Als Forderung wurde daher mehr Transparenz und Mitbestimmung formuliert; was jedoch nicht bedeutet, dass der Bau neuer Wohnungen im Bezirk grundlegend abgelehnt wird.

 

Auf der anderen Seite könnten Veränderungen eventuell dazu beitragen, dass negative Image des Bezirks zu verbessern und zu mehr Urbanität im Bezirk zu sorgen. Hier wurde genannt, dass der Bezirk zu wenige Orte zum Verweilen und zur Begegnung besitzt. Die Vielfalt des Bezirks soll sichtbarer gemacht werden und ein größerer Austausch (zwischen Generationen, Studierenden – Bewohner_innen, Nationalitäten…) in Restaurants, Bars und Kultureinrichtungen stattfinden.

 

 

 

3.      Was kann ich dafür tun kann, dass Marzahn-Hellersdorf auch in Zukunft ein lebenswerter Bezirk sein wird?

 

Einige Anwesende äußerten Resignation. Man könne eh nichts machen.

 

Die Mehrheit jedoch betonte, dass jeder Einzelne sich mehr einbringen und seine Interessen einfordern solle. Exemplarisch sei hier folgender Beitrag genannt: „Nicht allein zuhause auf dem Sofa ärgern.“

 

Bei der Art und Weise der Beteiligung lassen sich drei Perspektiven unterscheiden.
Die erste Perspektive betont das individuelle Verhalten. Man solle achtsamer untereinander sein, sich unter Nachbarn helfen, Zivilcourage zeigen und als Vorbild agieren. Auch solle man bereits vorhandene Angebote im Bezirk mehr nutzen.

 

Die zweite Perspektive geht darüber hinaus und betont, dass Engagement erst im Zusammenhang mit anderen Menschen wirkmächtig werden kann. Man solle mehr Eigeninitiative zeigen und sich gemeinsam mit anderen engagagieren. Als Beispiele wurden (kulturelle) Events gegen das schlechte Image des Bezirks, Gründung von Gemeinschaftsgärten, ehrenamtliches Engagement in sozialen Einrichtungen und die Schaffung von Plattformökonomien genannt.

 

Die dritte Perspektive wurde vor allem von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern genannt, die beruflich selbst in der Gemeinwesenarbeit tätig sind. Aus ihrer Rolle heraus betonten sie die bereits bestehenden Angebote und verwiesen durchaus selbstkritisch darauf, dass diese teilweise niedrigschwelliger, aufsuchender und anhörender stattfinden sollten. Eine bessere Vernetzung der bereits bestehenden Angebote sei ebenfalls wünschenswert.

 

Symposium: Demokratienähe und -distanz im Zeitalter der Verunsicherung

Am 29. Juni 2018 fand im Freizeitforum Marzahn das Symposium „Demokratienähe und -distanz im Zeitalter der Verunsicherung. Neue Wege zu einer demokratischen Gemeinwesenkultur (in Ostdeutschland)“ statt.
Das Symposium und die abendliche Podiumsdiskussion stellten den offiziellen Auftakt für das
Projekt "Demokratieferne Auffassungen in einer Kommune als Herausforderung für sozialräumliche Demokratieentwicklung" dar. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie "Zusammenhalt stärken in Zeiten von Krisen und Umbrüchen" finanzierte Drittmittelprojekt setzt sich mit der sozialräumlichen Demokratieentwicklung und politischen Partizipation im Bezirk Marzahn-Hellersdorf (MaHe) auseinander.
Die Besonderheit des Projektes liegt in der Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Umsetzung. Daher war es die Idee des Symposiums, Expert_innen aus Politik und Verwaltung des Bezirks (u.a. unsere Kooperationspartner:
Integrationsbeauftragter Marzahn-Hellersdorf, Polis*) mit Wissenschaftler_innen für Demokratieentwicklung, Engagement- und Partizipationsforschung und Bildungsforschung zusammenzubringen.
Das Wissen und die Erfahrungen unserer Kolleg_innen sollte dazu genutzt werden, gemeinsam unsere bisherigen Erkenntnisse zu reflektieren und neue Impulse für unseren Prozess der sozialräumlichen Demokratieentwicklung in Marzahn-Hellersdorf zu gewinnen.
Im ersten Teil des Symposiums wurde näher auf theoretische
und empirische Erkenntnisse eingegangen. Neben unserem eigenen Projekt stellten dabei unsere ebenfalls BMBF-geförderten Kolleg_innen vom WZB Berlin, der Universität Bremen, Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Georg-August-Universität Göttingen die Forschungsfragen, gesellschaftlichen Hintergründe und ersten Eindrücke ihrer Projekte vor.

Mehr Informationen zu den Projekten:

Nach der Mittagspause wurden dann gemeinsam Anwendungsfälle und Praxisfragen diskutiert.

Konkrete Anregungen und Vorschläge für unser Projekt waren u.a.:

  • Projekte in Kitas und Schulen durchführen
  • Auch funktionierende Beispiele untersuchen (und auf Übertragungsmöglichkeiten hin prüfen) Warum funktionieren gewisse soziale Orte?
  • Selbstwirksamkeitserfahrung als Grundvoraussetzung für Beteiligung („demokratisches Erweckungserlebnis“
  • subjektive gefühlte Marginalisierung beachten
  • Demokratisch legitimierte Akteure leiden unter Vertrauensverlust
  • Populismus als Ursache oder Auswirkung der Krise?
  • Bisher: individualistische Betrachtungsweise, aber auch Zusammenhalt von Gruppen, wie können Gruppen Stimmung rumreißen? (Zivilgesellschaft)
  • Zivilgesellschaft kann auch exkludierend wirken und Populismus auch verbinden
  • neue Alltagskultur, die Politik in den Mittelpunkt nimmt
  • Verfahren müssen so gestaltet sein, dass auch wirklich Umsetzung erfolgt
  • Verbesserung der sozialen Realität erzielen. Welche Form von Demokratie brauchen wir in MaHe (als Ergänzung zur repräsentativen Demokratie)
  • Verfahren müssen so gestaltet sein, dass alle reden können (Umfang und Setting der Verfahren)
  • soziale Frage mitdenken: Wie steht Demokratie zu Verteilungsfragen à braucht die Unterstützung der lokalen Politik und Verwaltung
  • Arbeit neu zu denken, auch um Zeit für Beteiligung zu haben
  • Befragte sollen nicht als Forschungsobjekte sondern Subjekte betrachtet werden und Interviews/Ergebnisse mit ihnen besprochen werden, da hier Potential für Empowerment liegt.

Unser Dank gilt der Jugendfreizeiteinrichtung Fair für die nette und hilfreiche Unterstützung vor Ort (Link), der Faktura gGmbH für das tolle Catering, der Degewo AG, die uns mit der Besichtigung des Degewo-Skywalks im Anschluss an das Symposium einen besonderen Höhepunkt des Veranstaltungstages ermöglichte und natürlich allen Teilnehmer_innen des Symposiums.

 

Teilnehmer_innen:

Dr. habil. Ewa Bacia (TU Berlin)

Dr. Thomas Bryant (Integrationsbeauftragter Marzahn-Hellersdorf (MaHe)

Dr. Peter Bescherer (Uni Jena)

Prof. Dr. Hans-Luidger Dienel (TU Berlin)

Dr. Robert Feustel (Uni Jena)

Dr. Heiko Giebler (WZB)

Dr. Philipp Gies (Uni Bremen)

Ljubica Nicolic (Uni Göttingen)

Elisabeth Peters (Koordinatorin Polis* - Marzahn-Hellersdorf)

Dominik Schlotter (Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)

Prof Dr. Heike Walk (HNE Eberswalde)

Prof. Dr. Heinz Stapf-Finé (ASH Berlin)

Prof. Dr. Michael Brodowski (ASH Berlin)

Lars Conrad (ASH Berlin)

Sven Gramstadt (ASH Berlin)

Raiko Hannemann (ASH Berlin)

Anna Kramer (ASH Berlin)

Andrea Metzner (ASH Berlin)

 


Podiumsdiskussion "Zusammenhalt stärken in Marzahn-Hellersdorf"

Zusammenhalt stärken in Marzahn-Hellersdorf

Über den Zusammenhalt in der Kommune Marzahn-Hellersdorf, über Demokratieentwicklung und über politische Teilhabe im Zeitalter der Verunsicherung diskutierte unser Team am 29. Juni 2018 im Freizeitforum Marzahn mit Vertreter_innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

 

Im Anschluss an die Diskussion der Podiumsteilnehmer_innen (Prof. Dr. Heinz Stapf-Finé, Petra Pau, Wolfram Hülsemann, Dr. Susanna Kahlefeld und Thomas Gill) gab es ausführlich Raum für die interessierten Bürger_innen, ihre Fragen und Anliegen zur Zukunft des Bezirks und der Stadt in die Diskussion einzubringen.

Wir bedanken uns bei allen Bürger_innen und Teilnehmer_innen des Podiums für den spannenden Abend und die sehr professionelle Moderation von Petra Schwarz.

 

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Flyer zur Podiumsdiskussion "Zusammenhalt stärken"
ASH_Karte_ZS_Quad_WEB (3).pdf
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